Sind Quadratmeter wirklich so entscheidend?
Ja – aber nicht nur.
Die Wohnfläche gehört zu den wichtigsten Kennzahlen einer Immobilie und spielt bei der Wertermittlung selbstverständlich eine große Rolle. Gleichzeitig wird ihr häufig eine Bedeutung zugeschrieben, die sie allein gar nicht haben kann.
Denn am Ende kauft niemand eine Ansammlung von Quadratmetern.
Man kauft ein Zuhause.
Warum gibt es die Wohnflächenverordnung?
Damit Wohnflächen möglichst einheitlich und vergleichbar berechnet werden können, gibt es die Wohnflächenverordnung (WoFlV).
Sie legt beispielsweise fest,
- wie Dachschrägen berücksichtigt werden,
- wie Balkone, Terrassen oder Wintergärten anzurechnen sind,
- welche Räume als Wohnfläche gelten und
- welche Flächen – beispielsweise Keller oder Heizungsräume – grundsätzlich nicht zur Wohnfläche gehören.
Die Wohnflächenverordnung sorgt also dafür, dass Immobilien nach möglichst einheitlichen Maßstäben miteinander verglichen werden können.
Gilt die Wohnflächenverordnung auch beim Verkauf?
Hier gibt es eine Besonderheit.
Die Wohnflächenverordnung ist vor allem für den öffentlich geförderten Wohnungsbau verbindlich und wird in der Praxis auch bei vielen frei finanzierten Immobilien angewendet.
Beim Verkauf einer Bestandsimmobilie schreibt das Gesetz jedoch nicht zwingend vor, nach welcher Berechnungsmethode die Wohnfläche ermittelt werden muss.
Entscheidend ist vielmehr, dass die angegebene Wohnfläche nachvollziehbar und möglichst korrekt ermittelt wurde. Gerade bei älteren Gebäuden findet man deshalb nicht selten unterschiedliche Flächenangaben, die auf verschiedenen Berechnungsmethoden beruhen.
Warum sind ein paar Quadratmeter oft gar nicht entscheidend?
Natürlich beeinflusst die Wohnfläche den Wert einer Immobilie.
Ob eine Wohnung 92 oder 95 Quadratmeter hat, ist jedoch häufig weniger entscheidend als Fragen wie:
- Ist der Grundriss sinnvoll gestaltet?
- Wie hell sind die Räume?
- Gibt es einen sonnigen Balkon?
- Ist die Aussicht unverbaubar?
- Wie hochwertig ist die Ausstattung?
- Wie ist die Lage innerhalb des Ortes?
Eine optimal geschnittene 90-Quadratmeter-Wohnung kann für viele Käufer deutlich attraktiver sein als eine ungünstig geschnittene Wohnung mit 100 Quadratmetern.
Quadratmeter helfen beim Vergleichen – nicht beim Verlieben.
Die Wohnfläche ist eine wichtige Grundlage, um Immobilien miteinander zu vergleichen und den Markt besser einschätzen zu können.
Die eigentliche Kaufentscheidung fällt jedoch meist aus einem ganz anderen Grund.
Weil sich eine Immobilie richtig anfühlt.
Weil die Räume harmonisch wirken.
Oder weil der Blick vom Balkon auf das Wettersteingebirge genau der Moment ist, in dem man denkt: "Hier möchte ich wohnen."
💡 Mein persönlicher Gedanke: Als Makler rechne ich natürlich mit Quadratmetern. Als Käufer würde ich aber niemals Quadratmeter kaufen. Ich würde immer das Gesamtpaket kaufen – die Lage, den Grundriss, das Wohngefühl und die kleinen Details, die aus einer Immobilie ein Zuhause machen. Genau deshalb ist die Wohnfläche ein wichtiger Vergleichswert, aber eben nie die ganze Geschichte.